Interpretation schreiben: Gliederung, Textdeutung und Kernmotive
Wie du eine literarische Interpretation im Deutschunterricht verfasst. Erfahre alles über Einleitung, Hauptteil, Schluss und überzeugende Textdeutungen.
Was ist eine literarische Interpretation?
Eine Interpretation geht einen Schritt weiter als die bloße Textanalyse. Während die Analyse Strukturen beschreibt, versucht die Interpretation, den tieferen Sinn eines Werkes zu ergründen und die Absichten des Autors zu entschlüsseln. Du deutest Textstellen und begründest deine Deutung schlüssig am Text.
Der dreigeteilte Aufbau der Interpretation
1. Die Einleitung
Neben den bibliografischen Daten (TATTE-Formel) formulierst du in der Einleitung eine präzise **Deutungshypothese**. Das ist deine grundlegende Vermutung darüber, was der tiefere Sinn des Textes sein könnte.
Beispiel: "Das Werk thematisiert vordergründig einen Familienkonflikt, deutet jedoch im Hintergrund auf die Unüberwindbarkeit gesellschaftlicher Klassenunterschiede hin."
2. Der Hauptteil (Die Textdeutung)
Im Hauptteil verknüpfst du Analyse und Interpretation eng miteinander. Gehe chronologisch vor oder strukturiere deine Deutung nach thematischen Aspekten (z.B. Charakterentwicklung, Raumkonstellationen). Nutze immer das **Belegverfahren**:
Aussage → Zitat mit Zeilenangabe → Deutung / Interpretation
Beispiel: "Die innere Zerrissenheit des Vaters wird deutlich, als er 'schweigend ins Leere blickt' (Z. 12). Dieses Schweigen symbolisiert seine Hilflosigkeit gegenüber dem Sohn..."
3. Der Schluss
Im Schluss fasst du deine Deutungsergebnisse zusammen. Bestätigt sich deine Deutungshypothese aus der Einleitung? Welche universelle Botschaft vermittelt der Text dem Leser auch heute noch?
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Q:Was ist eine Deutungshypothese?
Eine begründete Vermutung über den tieferen Sinn und die Gesamtaussage des Textes, die du in der Einleitung formulierst.
Q:Darf man in einer Interpretation 'Ich' schreiben?
Nein, eine Interpretation muss sachlich, objektiv und in der dritten Person (Er/Sie/Es) verfasst werden. Ausnahmen gibt es nur bei einer persönlichen Stellungnahme am Schluss.